Die Ausgangslage war alles andere als komfortabel. Monatelange Regierungskrise, ein BSW-Koalitionspartner, der sich im Januar 2026 selbst aus der Regierung verabschiedete, und ein Land, das in dieser Zeit politisch auf der Stelle trat. Als SPD und CDU am 18. März 2026 gemeinsam vereidigt wurden, war die Erleichterung spürbar – aber auch die Erwartungslast gewaltig.
Stabilität ist kein Selbstzweck
Die Koalition hat ihr wichtigstes Versprechen gehalten: Sie ist stabil. Das klingt banal, ist es nach den vergangenen Monaten aber nicht. Mit einer Mehrheit von 46 der 88 Landtagssitze regiert Rot-Schwarz verlässlich. Abstimmungsniederlagen? Keine. Koalitionskrach? Fehlanzeige. Das ist mehr wert, als es auf den ersten Blick scheint.
Aber Stabilität ist kein Regierungsprogramm. Sie ist die Voraussetzung für eines. Und genau hier wird es interessant.
CDU-Handschrift ist erkennbar
Jan Redmann hat das Innenministerium übernommen und macht seitdem deutlich, was ihm wichtig ist: sichtbare Polizei, konsequente Abschiebungen, ein starker Verfassungsschutz. Das ist keine Überraschung – es ist das, wofür er gekämpft hat. Dass er als stellvertretender Ministerpräsident auch das Gewicht der CDU in dieser Koalition sichtbar macht, ist politisch klug.
Die CDU-Handschrift zeigt sich auch in der Finanzpolitik: fünf Prozent Personalkosten einsparen, Programme überprüfen, Doppelstrukturen abbauen. Das klingt trocken, ist aber eine echte Positionierung gegen den reflexartigen Ausgabenwillen vieler Landesverwaltungen. Wer das durchhält, macht sich keine Freunde – und das ist manchmal ein gutes Zeichen.
Die Arbeit liegt noch vor uns
100 Tage sind für manche Vorhaben schlicht zu kurz. Der Doppelhaushalt 2027/2028 befindet sich in Vorbereitung, die Bildungsoffensive nimmt Fahrt auf – und dass Lehrerstellen in Zeiten des Fachkräftemangels nicht über Nacht besetzt sind, weiß jeder, der die Realität im Bildungssystem kennt. Das ist kein Vorwurf, sondern eine strukturelle Wahrheit, mit der diese Koalition ehrlicher umgeht als manch eine vor ihr.
Auch beim Wohnen und der Infrastruktur braucht es Zeit: Planungsbeschleunigung ist kein Schalter, den man umlegt – sie ist ein Prozess, der Verwaltung, Recht und politischen Willen zusammenbringen muss. Dass dieser Wille vorhanden ist, zeigt der Koalitionsvertrag. Jetzt geht es darum, ihn in die Praxis zu übersetzen.
Ein fairer Zwischenstand
100 Tage sind kein Schlussstrich, sondern ein Zwischenzeichen. Die neue Landesregierung hat den Neustart geschafft, den Brandenburg gebraucht hat. Sie hat das Chaos beendet und mit dem Koalitionsvertrag einen ehrlichen Rahmen gesetzt – einen, der Konsolidierung vor Wohltaten stellt, was in diesen Zeiten notwendig ist.
Jetzt kommt der schwierige Teil. Die Haushaltsverhandlungen, die Umsetzung der Bildungspolitik, die Migrationsfrage, der strukturelle Wandel in der Wirtschaft – das sind keine 100-Tage-Themen. Das sind Vier-Jahres-Aufgaben.
Brandenburg hat eine Regierung, die arbeitet. Die Frage ist nicht mehr, ob sie stabil ist. Die Frage ist, ob sie mutig genug ist.

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